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Rede der Abgeordneten

Andrea Milz,

am 19. Dezember 2007

 

Junge Mütter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Anfang an unterstützen - Mehr Teilzeitberufsausbildungsangebote für junge Menschen mit Kindern schaffen (Drs. 14/5577)

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung und der sie tragenden Koalitionsfraktionen. Gemeinsam mit unserem Koalitionspartner haben wir das Thema daher bereits in den beiden letzten Jahren mit zwei parlamentarischen Initiativen umfassend behandelt. Mit dem Kinderbildungsgesetz, welches am 1. August 2008 in Kraft treten wird, werden wir zudem einen umfassenden Ausbau der Betreuungsplätze für Unterdreijährige realisieren und hiermit echte Wahlfreiheit für Familien schaffen.

Mit dem vorliegenden Antrag konzentrieren wir uns auf junge Frauen und Männer bzw. junge Eltern ohne Berufsausbildung. Für junge Menschen, die noch während ihrer Schul- oder Ausbildungszeit Eltern werden, besteht ein großes Risiko, dauerhaft ohne Berufsabschluss und damit ohne Chance auf Teilhabe am Erwerbsleben zu bleiben. Insbesondere junge Mädchen und Frauen sind hiervon betroffen.

Das Berufsbildungsgesetz sieht seit dem Jahr 2005 für junge Menschen in einer derartigen Lebenssituation die Möglichkeit einer sogenannten Teilzeitberufsausbildung mit verkürzten täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeiten vor. Jungen Menschen soll hierdurch eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Möglichkeit eingeräumt werden, einen Berufsabschluss zu erwerben und so für sich und ihre Kinder eine Lebensgrundlage zu schaffen.

Wir halten diese Option für sehr wichtig, da sie den jungen Eltern einen ansonsten nur sehr schwierigen Zugang zur Teilhabe am Erwerbsleben eröffnet und damit das Armutsrisiko deutlich reduziert. Insbesondere für Alleinerziehende ist diese Option besonders wichtig, da Alleinerziehende und ihre Kinder ausweislich des Sozialberichts Nordrhein-Westfalen einem stark überdurchschnittlichen Armutsrisiko unterliegen (37,8 Prozent).

Ende Januar diesen Jahres fand in Bonn eine Tagung zum Thema „Berufsausbildung in Teilzeit - Neue Chancen, neue Wege“ statt. Wie sich der Tagungsdokumentation entnehmen lässt, wurde die Option der Teilzeitausbildung sowohl von den ausbildenden Betrieben als auch von den Teilzeitauszubildenden äußerst positiv bewertet. Es wurde aber auch deutlich, dass an verschiedenen Stellen weiterer Handlungsbedarf besteht, um das Modell der Teilzeitberufsausbildung weiter zu optimieren beziehungsweise bekannt zu machen.

Notwendig ist  einerseits eine bessere Information von jungen Menschen über die Möglichkeit der Teilzeitberufsausbildung. Insbesondere die Arbeitsagenturen, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften etc. sollten hier einbezogen werden. Auch die Familienzentren können als niederschwellige Anlaufstelle für junge Familien über das Thema Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie informieren.

Bei Betrieben und Unternehmen muss andererseits stärker als bisher für die Option der Teilzeitberufsausbildung geworben werden: Vielen Ausbildungsbetrieben ist nicht bekannt, wie eine betriebliche Ausbildung in Teilzeit mit Kind machbar ist und dass sie auch für den Betrieb interessant sein kann. Hierdurch gehen potenzielle Ausbildungsmöglichkeiten in Teilzeit und damit entsprechende Chancen für beide Seiten verloren.

Jungen Menschen, die sich für eine Teilzeitberufsausbildung entscheiden, muss auf Basis des Kinderbildungsgesetzes ein ihren Bedürfnissen angepasstes Betreuungsangebot zur Verfügung gestellt werden. Nur wenn die jungen Eltern ihr Kind in einer guten Betreuung wissen, werden sie sich auch auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Es ist davon auszugehen, dass sie hierfür eine Betreuung von 35 oder sogar 45 Stunden benötigen.

Wir haben diesen Handlungsbedarf in unsere Forderungen aufgenommen und sind sicher, dass uns die Landesregierung bei der Umsetzung gerne unterstützen wird.

Da der öffentliche Dienst nach unserer Auffassung eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wahrnehmen soll, wünschen wir uns, dass Teilzeitberufsausbildungsangebote für junge Frauen und Männer mit Kindern im Landesdienst ausgeweitet werden. Ich denke, auch dieses Anliegen wird die Landesregierung gerne unterstützen.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, unseren Antrag im Sinne der jungen Mütter und Väter in Nordrhein-Westfalen unterstützen. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf die weitere Diskussion im Ausschuss!

 
 

Zuletzt geändert am: 18.12.2010