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Rede anläßlich des Antrages der SPD
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Als Titel ihres Antrags hat die SPD „Junge Frauen in Berufe mit Zukunft“ gewählt. Anschließend beklagt sie den geringen Anteil von jungen Frauen in technischen Berufen unter dem Schlagwort „je mehr Technik, desto weniger Frauen“. Das bedeutet zunächst einmal eine Abwertung den Berufen gegenüber, die im Moment von den jungen Frauen bevorzugt werden, also Berufe ohne Perspektive und Zukunft. Gleichzeitig weist die SPD darauf hin, dass Frauen in der Wachstumsbranche Gesundheitswesen in vielen anspruchsvollen Bereichen maßgeblich vertreten sind und die Weiterentwicklung dort entscheidend von ihnen mit geprägt wird. Wie passt das zusammen? Ich stimme der SPD in einem vollkommen zu: Es ist erstrebenswert, den Anteil von Frauen in technischen und auch in naturwissenschaftlichen Berufen zu erhöhen, gerade vor dem Hintergrund, dass dort schon in relativ kurzer Zeit ein erheblicher Fachkräftemangel auf uns zukommt. Diesem Anliegen haben die Koalitionsfraktionen bereits in ihrem Antrag Rechnung getragen, der am 28. September letzten Jahres eingebracht worden ist. Er lautete damals: „Mädchen fit für die Zukunft machen – Konsequenzen aus der Studie zum Girl’s Day 2005 ziehen“. Auf diesen Antrag kommt die SPD auch zu sprechen, indem sie die mangelnde Klarheit, was das Instrumentarium zur Steigerung des Frauenanteils betrifft, anspricht. Ich verstehe den Vorwurf nicht. In dem heutigen SPD-Antrag handelt es sich nur um eine relativ umständliche und auch ideologisch verbrämte Wiederholung dessen, was wir auf zwei Seiten geschrieben haben. Sie haben hier auf vier Seiten relativ langatmig ausgeführt, wie Sie das Ganze sehen. Ich habe bisher nicht feststellen können, dass darin etwas wesentlich Neues gestanden hat, mit dem wir uns beschäftigen können. In unserem Antrag haben wir zum Erreichen unseres Ziels mehrere Punkte formuliert; ich nenne nur einige: die Verbesserung der naturkundlich-technischen Früherziehung in Kindertagesstätten, die rechtzeitige Information über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufschancen durch die Arbeitsagenturen, die Industrie‑ und Handelskammern, die Kreishandwerkerschaften usw., ein größeres Angebot an Berufspraktika für Schülerinnen in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Das sind die Felder, auf die wir stärker schauen müssen. Dieser Antrag ist erst am 26. Januar dieses Jahres im Ausschuss für Frauenpolitik angenommen worden. Warum kommt jetzt, zwei Monate später, ein ähnlicher Antrag von der SPD? Welche neue Entwicklung konnten wir in den zwei Monaten beobachten? Warum können wir nicht zum Beispiel auf die Initiative „Zukunft durch Innovation.NRW“ warten, die unter der Federführung des Wissenschaftsministeriums läuft und gerade junge Frauen für technische und ingenieurwissenschaftliche Fächer begeistern soll. Das ist ein sehr richtiger Ansatz. Man muss schauen, wie sich das entwickelt. Natürlich merkt man, dass sich junge Frauen zunehmend für technische und naturwissenschaftliche Berufe interessieren. Den Trend, der im Moment nur ein Trend ist, müssen wir in der Tat stärken. Gerade der Girl’s Day liefert einen praktikablen Weg, wie man die jungen Mädchen an einem solchen Praktikumstag an diese Berufe heranführen kann. Ein Drittel der Teilnehmerinnen an den Girl’s Days sagt, sie könnten sich vorstellen, später einmal in solchen Berufen zu arbeiten. Dabei werden gerne Informations‑ und Kommunikationstechnik, Multimedia oder auch Wissenschaft und Forschung genannt. Das Ergebnis zeigt: Wenn ich frühzeitig informiere und Kontakt zu diesen Berufsfeldern herstelle, dann nehme ich den jungen Frauen zu einem frühen Zeitpunkt die Scheu, sich für diese Berufe näher zu interessieren, und der Zugang wird erleichtert. Wenn die SPD in ihrem Antrag von einer eingeschränkten Berufswahl, von ungenutzten Berufschancen und unentdeckten Qualifikationen spricht, sage ich nur: Mit Druck erreicht man überhaupt nichts. Man muss auf Freiwilligkeit setzen, auf Wege, für die sich die jungen Frauen dann entscheiden können. Ich muss die vorhandenen Chancen transparent machen und für sie werben, aber ich kann nicht von oben irgendetwas gesetzlich regeln, was sich dann in der Gesellschaft von selbst verändern soll. Meiner Meinung nach sind Bürokratie und staatliche Regeln in dieser Hinsicht nicht zielführend. Auch durch die Regionalstellen Frau und Beruf, deren Schließung die SPD so sehr bedauert hat, ist nicht sehr viel passiert hinsichtlich des Wahlverhaltens der jungen Frauen. Dadurch haben wir den Anteil dort nicht erhöhen können. Mehr Erfolg versprechen wir uns durch eine Kooperation mit der Wirtschaft. Den Betrieben fehlt gerade in technischen und techniknahen Berufen schon heute qualifizierter Nachwuchs. Die Unternehmen sind nicht dumm. Sie wollen hinterher nicht ohne qualifizierte Mitarbeiter dastehen. Sie sind durchaus bereit zu Projekten, die sie anstoßen und die wir fördern sollen. Die deutsche Wirtschaft stellt sich auf diese Hoffnungsträgerinnen ein. Eine zusätzliche Reglementierung oder staatliche Einflussnahme auf den Arbeitsmarkt ist hier nicht nötig. Der vorliegende Antrag enthält gegenüber unserem Antrag keine neuen Erkenntnisse oder Lösungsansätze; dennoch stimmen wir natürlich der Überweisung zu. Danke. |
Zuletzt geändert am: 18.12.2010 |