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Rede

zur Aktuellen Stunde
"Landesregierung muss endlich Konzept für den Ausbau der U3-Betreuungsplätze vorlegen"

Düsseldorf, 26. Januar 2007

 

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wozu in die Ferne schweifen?

Warum nach Frankreich gucken, wenn auch in Deutschland Studien vorliegen, die sich mit dem Thema Kinderlosigkeit beschäftigen.

Auf fehlende Angebote der Kinderbetreuung hinzuweisen, ist ja nicht falsch - wir sprechen ja auch nicht zum ersten Mal über diese Aspekte. Auch wenn die diversen Bemühungen der Opposition nichts nennenswert Neues zutage fördern, geben sie zumindest uns und der Landesregierung Gelegenheit, die Wichtigkeit des Themas aus unserer Sicht deutlich zu machen.

Interessant heute ist, dass die Aktuelle Stunde von der SPD kommt. Deren damaliger Fraktionsvorsitzende Edgar Moron hatte noch am 25.2.2003 in einer Pressemeldung zur Zusammenführung des Arbeitslosengeldes mit der Sozialhilfe gesagt, - ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: "Wir sind entschieden gegen Pläne, wonach die Kommunen das eingesparte Geld für die Betreuung von unter Dreijährigen einsetzen sollen."

Wo war denn da der Aufschrei der Fraktion der SPD zu diesem klaren Bekenntnis?

Aber jetzt zu den Studien in Deutschland:

Eine aktuelle Befragung des BAT-Freizeitforschungsinstituts, in der 2000 Personen ab 14 Jahren nach ihren Lebensplänen gefragt wurden, kommt zu folgendem Ergebnis: Vor allem junge Männer wollen von Familiengründungen immer weniger wissen, weil ihnen persönliche Freizeitinteressen wichtiger sind (2003: 34%, 2006: 43%); junge Frauen geben dies nur halb so oft als Grund an (2003: 22%, 2006: 23%). Vier von zehn jungen Männern zwischen 18 und 39 Jahren geben an, dass ihnen Sport, Hobbys und Reisen wichtiger sind als Heiraten und Familie gründen. Sie machen damit von ihrem Zeugungsverweigerungsrecht Gebrauch - eigentlich schade, oder?

Wollen Sie das jetzt auch der Landesregierung in die Schuhe schieben, Kollegen von der Opposition?

Oder ist es nicht interessanter, hier nach den Ursachen zu fragen: Aufschlussreich sind die in der Studie gegebenen Antworten nach dem Warum: So wird Familiengründung als Wagnis betrachtet in Zeiten ohne Beschäftigungsgarantien, es fehlt Mut zur Übernahme der lebenslangen Verantwortung, wobei dies bei höheren Bildungsabschlüssen noch wächst, und die Angst vor Armut und Wohlstandsverlust geht um.

Und da sind wir dann auch schon wieder beim Antrag der Koalitionsfraktionen zum Thema Wirtschaft und Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Auch die Studie appelliert an die Wirtschaft, hier aktiv zu werden und auch das Vaterbewusstsein nicht zu vernachlässigen. Nur so haben auch Männer die Chance, Kompetenz in beiden Feldern zu erwerben und ihren eigentlich vorhandenen Wunsch nach Familie zu leben. Ich erinnere daran, dass dieser unser Antrag in den Ausschüssen Wirtschaft und Generationen von der Opposition abgelehnt worden ist - eigentlich schade, oder?

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Thema Familienfreundlichkeit ist zu vielschichtig, um es auf die Betreuung von U3-Plätzen zu reduzieren. Nochmal: Diese Plätze sind unabdingbar nötig, allein glückseeligmachend sind sie nicht.

 

 

Zuletzt geändert am: 18.12.2010